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Die Warteschlange

Die Warteschlange mag eine primitive Funktion der Endverarbeitung sein. Trotzdem hat sie parallel zur Dateiverwaltung und dem Editor einen gleichwertig hohen Stellenwert als dritte oberste Registerkarte bekommen. Das ist nicht verwunderlich. Im gesamten Workflow ist sie nicht nur der letzte Schritt, sondern der Schritt, wo die Maschine durchaus über mehrere Stunden selbständig arbeitet und der Nutzer erwartet, dass er sämtlichr Ergebnisse seiner vorherigen Arbeit, die ebenfalls Stunden dauerte, in bester Qualität erhält. So sehr die Warteschlange für den Nutzer auch nur wie ein Stapel Entwicklungsberechnungen erscheint.

Wozu eine Warteschlange für das Speichern?

An einigen Stellen im Handbuch wurde bereits darauf hin gewiesen, dass die endgültige, hoch-qualitative Bearbeitung eines Bildes einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Einige komplexere Filter, die vielleicht erst das Bild in einen anderen mathematischen Raum umrechnen müssen oder sehr viel Information um ein Pixel herum bearbeiten müssen, um genügend Information für den neuen Wert des Pixels berechnen zu können, beanspruchen die CPU. RawTherapee verwendet effiziente Algorithmen, die auch sämtliche Prozessorkerne und Hyper-Threading ausnutzen. Theoretisch könnte sich RawTherapee dabei selbst bremsen, um für den Nutzer genügen Performance für die Bearbeitung der nächsten Fotos bereitzustellen. Aber vielleicht möchte der Nutzer gerade lieber möglichst schnell das Ergebnis. Softwareentwickler können nun verschiedene Annahmen treffen und für viele Szenarien eine gute Performance erreichen. Aber alles hat seine (Automatik-)Grenzen.

Man hat deshalb den Ansatz gewählt, dem Benutzer bei der rechenintensiven Arbeit genau 2 Optionen zu lassen:

  • Entweder wird das Speichern eines Bildes sofort ausgeführt und dafür die maximale Rechenleistung zur Verfügung gestellt, oder
  • die Berechnung wird auf einen Zeitpunkt verschoben, wo der Nutzer nicht mehr am Rechner arbeitet.

Ersteres ist im Editor unter Bild speichern erreichbar: Der Nutzer startet die Berechnung und muss nun erst mal warten, bis das Bild fertig ist. (Oder sich mit einem lahmen Rechner rumschlagen.)

Die zweite Variante ist die Warteschlange: Der Nutzer fügt die Berechnung eines Bildes hinzu, arbeitet ungehindert weiter und startet zum Ende hin sämtliche Aufträge in der Warteschlange. Und nutzt den Rechner dann erst mal nicht weiter. - Natürlich bleibt der Rechner weiter nutzbar. Aber eine effiziente Bildbearbeitung, die für das Vorschaubild ebenfalls hohe Rechenlast in einigen Spitzen benötigt, beißt sich so nicht mit der Verarbeitung der Bilder.

Selbstverständlich ließe sich das CPU-intensive Bildberechnen so in Scheiben einteilen, dass trotzdem die gefühlte Performance des Nutzers bei der Bildbearbeitung bestehen bleibt. Da hierzu aber eine sehr intensive Kommunikation mit dem Betriebssystem und seinem Verhalten notwendig ist und RawTherapee für mehrere Plattformen entwickelt wird, wäre so eine Implementation äußerst aufwändig. Die Entwickler sind deshalb den Weg gegangen, den wohl die meisten Nutzer auch mitgehen: Zeitliche Trennung von Bildbearbeitung und Bildberechnung. - So steht dir ohne irgendwelche Klimmzüge und Bugs immer die volle Rechenleistung zur Verfügung, wenn Du vor dem Bild sitzt. Der Rest passiert wärend einer Kaffee- oder Tee-Pause oder über den Rest der verbleibenden Nacht. Bei maximaler Auslastung der CPU.

Zufügen von Bildern zur Warteschlange

Dieser Schritt wurde bereits im Artikel Speichern behandelt. Dort gibt es auch einige Informationen zu den zur Verfügung stehenden Zielformaten. Die Parameter für die Zielformate mit dem Speicher-Button Gtk-save-large.png im Editor sind identisch mit den Parametern, die in der Warteschlange eingestellt werden können. Vergleiche also bitte mit Artikel Speichern.

Mit dem Button Gtk-save-large.png im Editor kannst du für das betreffende Bild die Ausgabeparameter einzeln vorgeben. Legst Du statt dessen das Bild im Editor mit Processing.png direkt in die Warteschlange, wird es so gespeichert, wie du es in der Registerkarte der Warteschlange global vorgibst. Diese Vorgabe kannst du auch erst unmittelbar vor dem Start der Abarbeitung der Warteschlange treffen.

RawTherapee abgestorben - Alles futsch?

Natürlich bemühen sich die Entwickler, RawTherapee so stabil dem Nutzer zu übergeben, wie es geht. Die aktuelle Version 5.0 zeichnet sich ganz besonders durch hohe Stabilität aus. Aber der Worst-Case kann ja doch einmal eintreten: RawTherapee reagiert nicht mehr. Ist nun die Arbeit von Minuten oder Stunden verloren? Muss ich alle Bilder noch mal in die Warteschlange geben?

Genau dieses Risiko, dass vor allem bei einer permanenten Softwarefortentwicklung zu Tage tritt, hat das Team um RawTherapee ausgezeichnet gelöst: Sämtliche Bildbearbeitungsschritte landen unmittelbar im Bearbeitungsprofil, dass als Sidecar-File dem Raw beigestellt wird. Und mit der Warteschlange gestaltete es sich ebenso: Sobald ein Bild mit seinen Parametern der Warteschlange zugefügt wurde, wird das abgespeichert. Egal, ob du nun das Programm zwischendurch schließt, oder es doch in einer bestimmten Version dazu neigen sollte, unerwartet den Geist aufzugeben: Nach dem erneuten Öffnen ist auch die Warteschlange wieder im aktuellen Zustand. - Eine der Basisanforderungen, wenn Nutzer die Software tatsächlich produktiv einsetzen. Also mit Verträgen, die an Geld und Termine gebunden sind. - Keine Software gibt hierfür eine Garantie. Aber RawTherapee zeigt seit Jahren, dass der produktive Einsatz kein Problem ist. Obwohl kostenlos und obwohl durch eine freie Entwicklergemeinde fortentwickelt.


Ausgabeverzeichnis - Ziel-Einstellungen für die Resultate aus der Warteschlange

Wenn Du möchtest, kannst du sämtliche Bilder der Warteschlange, unabhängig in welchem Ordner die Original-Raws stehen, die du bearbeitet hast, in ein und den selben Zielordner schreiben. Wähle in diesem Fall In dieses Verzeichnis speichern und gib den Zielordner vor.

Viele Nutzer mögen aber die peniblere Variante: Die bearbeiteten Bilder werden z.B. in Unterordner unterhalb der Originale abgelegt. Und die Benennung dieser Unterordner (oder Ordner an einem anderen Speicherort) sollen entsprechend der Quelle geschickt benannt werden. Nutze in so einem Fall Dynamisches Verzeichnis verwenden. Im dahinter stehenden Feld kannst das Muster vorgeben, wie die berechneten Bilder abgelegt werden. Der Tooltipp-Text dieses Feldes gibt ausreichend Informationen, die das Prinzip und die möglichen Variablen beschreiben:

Die folgenden Variablen können verwendet werden:
%f, %d1, %d2, ..., %p1, %p2, ..., %r, %s1, %s2, ...

Diese Variablen beinhalten bestimmte Teile des Verzeichnispfades, in welchem sich das Bild befindet, oder Attribute des Bildes.

Wenn zum Beispiel /home/tom/photos/2010-10-31/dsc0042.nef geöffnet wurde, dann haben die Variablen den folgenden Inhalt:
%d4 = home
%d3 = tom
%d2 = photos
%d1 = 2010-10-31
%f = dsc0042
%p1 = /home/tom/photos/2010-10-31
%p2 = /home/tom/photos
%p3 = /home/tom
%p4 = /home

Wenn Sie die Ausgabedatei in dasselbe Verzeichnis wie das Originalbild speichern wollen, dann wählen Sie:
%p1/%f

Wenn Sie die Ausgabedatei in ein Unterverzeichnis mit dem Namen "converted" schreiben wollen, dann wählen Sie:
%p1/converted/%f

Wenn Sie die Ausgabedatei im Verzeichnispfad "/home/tom/photos/converted" speichern wollen, dort jedoch in einem mit dem Namen des Ursprungsverzeichnisses betitelten Unterverzeichnis, dann wählen Sie:
%p2/converted/%d1/%f

Die Variable %r enthält die Bewertung des Bildes.

Die Bearbeitung der Warteschlange steuern

Du kannst übrigens die Bearbeitungsreihenfolge ändern: Die Miniaturbilder lassen sich über kleine Pfeile in der Reihenfolge umsortieren. Du kannst auch einzelne Bilder aus der Warteschlange wieder entfernen.

Zum Start der Bearbeitung nutze den klassischen Play-Button Gtk-media-play.png links oben.

Wenn du nur eine Arbeitspause machst, kannst du die Warteschlange schon mal der CPU übergeben und den Vorgang anhalten, wenn du mit der Bearbeitung der nächsten Fotos weiter machen willst. Denn, wo ein Play-Button ist, ist auch ein Stop-Button nicht weit: Gtk-media-stop.png.

Für den Fall, dass Du an einer leistungsstarken Maschine arbeitest, und feststellst, dass dich der CPU-aufwendige Prozess der finalen Bildberechnungen doch nicht bei der Bearbeitung der folgenden Bilder stört: Die Option Automatisch starten öffnet das Ventil, durch den der Stapel der Bilder läuft, ohne dass du den Play-Button drücken musst. Sobald du ein Bild in die Warteschlange gelegt hast, rechnet der Prozessor los. Prüfe unter deinen Bedingungen, wie gut du dann noch arbeitsfähig bist. Normalerweise ist diese Option deaktiviert.

Wie schon oben genannt: Wenn du den Rechner aus machen willst, oder auch nur Stromausfall ist: Die Warteschlange bleibt bis zu einem Neustart von RawTherapee erhalten. Du kannst jederzeit fortsetzen. RawTherapee entfernt erst dann ein Bild aus der Warteschlange, wenn es vollständig gespeichert ist.